Kiebitz-Habitat

Ende der Brutzeit 02.07.2020

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Sympathischer Wiesenbrüter im Langenauer Ried • Erfolgreicher Kiebitznachwuchs mit über 15 Brutpaaren

Im Langenauer Ried haben die örtlichen Vogelkundler dieses Jahr 15 erfolgreiche Kiebitz-Bruten dokumentiert. Im Naturschutzgebiet, das den naturschutzfachlich besonders sensiblen Kern des Langenauer Rieds bildet, wurden mit Rücksicht auf die Tierwelt nicht alle Bruten erfasst.

Obwohl er als Wiesenbrüter bekannt ist, brütet der Kiebitz im Ried inzwischen auch gern auf Ackerflächen. So auch im Langenauer Ried, wo es auch dieses Jahr dank enger Zusammenarbeit ehrenamtlicher Vogelkundler und Landwirten wieder erfolgreiche Brutnachweise gibt.

Hans Künzel von der Arbeitsgemeinschaft Donaumoos Langenau e.V. beobachtet mit seinen Vereinskollegen die Kiebitze in Langenau. Weitere Ehrenamtliche sind in Rammingen und Asselfingen in Sachen Kiebitzschutz unterwegs.

Das Erfassen und Beobachten von Kiebitznestern ist sehr zeitaufwändig und erfordert viel Geduld. Dass es zu einer erfolgreichen Brut kommt ist gar nicht so wahrscheinlich. „Es war ein Hoch und Tief der Gefühle“, wie Hans Künzel die diesjährige Kiebitzbrut zusammenfasst. Fast täglich war er während der Brutsaison im Ried. Wird ein Brutvogel bei der Brut gestört, verlässt er das Nest und die Eier kühlen aus. Sind sie über einen längeren Zeitraum kalt, wird die Brut abgebrochen, sie ist dann verloren. Die Brutvögel werden beispielsweise durch Krähen, Füchse oder auch freilaufende Hunde gestört, die die Eier räubern oder die Bruten aufstöbern. Ist die Brut dagegen erfolgreich, schlüpfen in der Regel zwei bis vier Jungvögel. Die Jungvögel sind nach dem Schlüpfen zunächst nicht flugfähig und somit wiederum leichte Beute für Räuber. Eine erfolgreiche Kiebitzaufzucht ist somit ein höchst riskantes Unterfangen.

Dagegen kann die Gefährdung durch die Landwirtschaft im Ried nahezu ausgeschlossen werden: Künzel und seine Helfer informieren die Landwirte über die Gelege. Wenn die Einsaat, Düngung oder eine Bodenbearbeitung ansteht, umfahren die Landwirte die Nester, so dass die Vögel nicht gestört werden. Brüten Kiebitze auf noch unbestellten Mais- oder Sommergetreideäckern, säen die Landwirte erst nach der Brut ein. Dann erhalten sie über den Landschaftserhaltungsverband Alb-Donau-Kreis eine Entschädigung für die Ertragsminderung. „Die Landwirte im Ried machen sehr bereitwillig mit. Der Kiebitzschutz funktioniert nur, wenn Naturschützer und Landwirtschaft Hand in Hand zusammenarbeiten“, ist sich Romy Werner, Geschäftsführerin vom LEV sicher. Weiterhin betreut der LEV ca. 320 ha Wiesen im Vertragsnaturschutz. Die Verträge verbieten ein schleppen, walzen und mähen der jeweiligen Wiese, sofern ein Gelege darauf festgestellt wird. Auch die neue Bundesfreiwillige des LEV Anna Heiß ist begeistert bei einem Ortstermin dabei und versucht die Jungvögel, die über die Wiesen rennen, mit dem Spektiv einzufangen.

Die Kiebitzpopulation im Langenauer Ried hält sich auf einem stetig geringen Niveau. Neben dem Langenauer Ried sind im Alb-Donau-Kreis auch in Ehingen und Illerkirchberg Kiebitzvorkommen bekannt. Weiterhin ist die Schwäbische Arbeitsgemeinschaft Donaumoos auf bayerischer Seite im Gundelfinger Moos im Kiebitzschutz aktiv.

INFO: Früher war der Kiebitz häufiger im Landkreis zu sehen, heute jedoch gilt er als stark gefährdet. Während der Kiebitz vor 50 Jahren noch ein „Allerweltsvogel war, ist sein Vorkommen insbesondere in Süddeutschland stark gefährdet. In Deutschland ist der Bestand zwischen 1992 und 2016 um 88 % zurückgegangen (Dachverband Deutscher Avifaunisten). Der taubengroße Kiebitz (Vanellus vanellus) gehört zu der Familie der Regenpfeifer und hat als besonderes Merkmal eine auffallende „Federrolle“ am Hinterkopf. Die Ursachen für den Rückgang des Kiebitzes sind vielfältig. Sie liegen unter anderem in der Zerschneidung der Landschaft und in der Intensivierung der Landwirtschaft. Das führt zu einer Verschlechterung oder Zerstörung von Lebensräumen und Brutplätzen. Außerdem werden Bruten immer wieder von Menschen gestört oder auch von natürlichen Fressfeinden wie dem Rotfuchs geräubert.

Name: Kiebitz (Vanellus vanellus Klasse: Vögel Familie: Regenpfeifer Größe: Bis zu 32 cm Gewicht: Bis zu 350 g (Taubengroß) Aussehen: Weißes Brustgefieder Besonderes Merkmal: schwarze Zeichnung Kopf-und Halsbereich, Federrolle am Hinterkopf Nahrung: v.a. Insekten Lebensraum: Feuchtwiesen (heutzutage auch Äcker) Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika (Zugvogel) Natürliche Feinde: Fuchs, Marder Paarungszeit: April – Juni Brutzeit: 21-28 Tage Gelege: 3- 4 Eier Jungvogelverhalten: Nestflüchter Sozialverhalten: koloniebildend Vom Aussterben bedroht: Ja

Kontakt LEV Alb-Donau-Kreis Schillerstr. 30 89077 Ulm Geschäftsführerin Romy Werner Tel 0731-185 1835 - Bundesfreiwillige Anna Heiß Tel 0731 185 1837

Störungen im Brutgebiet

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Nachdem wir einige Kiebitzbrutpaare im Langenauer Donaumoos entdeckten ergriffen wir möglichst rasch die erforderlichen Schutzmaßnahmen. Sofort waren die Landwirte bereit entsprechende Schutzvorkehrungen in der Feldbearbeitung zu beachten. Auch die Fachleute vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) waren informiert und hatten sich eingebracht. Nun dachten wir, alle menschlichen Maßnahmen für eine ungestörte Brut getroffen zu haben. Aber weit getäuscht. Da sind entlang der Nau noch die Fliegenfischer und ab und zu kommt auch noch ein Biker daher. Brutpaare zogen weg - die Hoffnung: Vielleicht bilden sie noch eine Nachbrut. Um weitere derartige Störungen zu vermeiden stellten wir dann flugs einige Hinweisschilder auf und hoffen nun, dass diese auch beachtet werden.

Sachstand 03.04.19

Erfreulicherweise können im Donaumoos Langenau einige Kiebitzpaare beobachtet werden. Durch rechtzeitiger Reaktion der AG-Donaumoos, des LEV und den betreffenden Landwirten sind im Brutgebiet vorerst keine Flächenbearbeitungen vorgesehen. Anfang Mai wird nun Kiebitz-Nachwuchs erwartet. Eine regelmäßige Beobachtung hält uns auf dem Laufenden.

Nachwuchs im Gebiet der Nauschleife

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Beobachtungen im Gebiet der Nauschleife ergaben, dass in 2018 junge Kiebitze vorhanden waren.
Wir hoffen natürlich, dass diese im nächsten Jahr wieder zu sehen sind. Das Gelände in dieser Gegend ist noch nicht für Kiebitze optimal. Hohe Bäume sind ungünstig wegen der Raubvögel.
Auch die Lachmöwen mußten die Kiebitzeltern u.a. laufend von den Gelegen fernhalten.